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Samstag, 1. Oktober 2011

"Nur wer wählen geht, darf meckern ..!"

Diese Meinung vertritt Lisa Marie Ringwald aus dem 12. Jahrgang. Gerade ist die 18-jährige mit 135 Stimmen in den salzhausener Gemeinderat gewählt worden.
Was sie dazu gebracht hat, zu kandidieren und was ihre Pläne für Salzhausen sind, das erzählt sie hier.
 
Erzähl erstmal für was du eigentlich kandidiert hast und was genau du jetzt bist.
Also ich habe für den Gemeinderat in Salzhausen kandidiert und für den Samtgemeinderat. Ich habe ein Direktmandat für den Gemeinderat bekommen. Im Samtgemeinderat war ich allerdings auf Listenplatz 16 und wir haben nur 8 Sitze bekommen, deshalb habe ich da keinen Sitz. Aber im Gemeinderat habe ich jetzt einen Sitz an dritter Stelle und werde dort versuchen, die Jugend zu vertreten.

Wer sitzt denn im Samtgemeinderat?
Verschiedene, aus meiner Fraktion sind es Ernst Hinrich und Iris Linde und ansonsten ist es halt so, dass es unter den  gesamten Gemeinderäten verteilt ist, so dass jeder Ort vertreten ist.

Und welche Aufgaben hast du jetzt, was musst du jetzt machen?
Also, ich nehme an den Ratssitzungen teil, ich hab meine Wahl gestern angenommen und bestätigt, damit habe ich mein Amt jetzt offiziell inne. Am ersten November findet meine erste Ratssitzung satt, vorher haben wir noch Fraktionssitzungen . Dort wird diskutiert, nehmen Sachen aus Ausschüssen mit. Ich selbst werde auch an einigen Ausschüssen teilnehmen, welche kann man noch nicht bestimmen, das wird in der ersten Ratssitzung beschlossen und ich habe natürlich Stimmrecht in den Räten.

Und das ist dir nicht zu viel neben der Schule?
Das ist weniger Zeit als man denkt. Jetzt am Anfang trifft man sich zwar schon jede Woche einmal aber sonst ist einmal im Monat  Fraktionssitzung, Ausschüsse finden alle drei Monate eine Sitzung statt und der Rat tagt viermal im Jahr. Es ist also weniger als man denkt, auch weniger Verantwortung als man denkt. Und viel regeln wir auch über E-mails, damit wir zwischendurch Kontakt halten, auch wenn man sich nicht immer treffen kann, sondern das auch verschieben kann. Deswegen denk ich, man kann das eigentlich ganz gut taktieren und für Abitur hat auch jeder Verständnis, also dass man dann keine Zeit hat.

Und was bedeutet dir diese Arbeit?
Mir bedeutet das, dass ich mich einsetzen kann für die Jugend hier in Salzhausen, dass auch gezeigt wird, dass die Jugend sich politisch engagiert, dass wir überhaupt wahrgenommen werden. Außerdem auch, dass der Einstieg auch für andere Jugendliche leichter ist, dass sie sehen, dass es nicht schwer ist, sondern dass man aufgenommen wird, dass die Parteien einen nicht ausschließen. Es ist auch wirklich nicht so, dass man da mit Anzug hingehen müsste. Es ist eben nicht zu seriös und auch für jeden machbar.

Wie genau bist du denn dazu gekommen und warum SPD?
Also  ich habe bei einem Programm mitgemacht, das heißt 10 unter 20, das wird von der SPD angeboten, ist aber eigentlich recht Parteiunabhängig. Dort lernt man eben erst die kommunale Ebene kennen, dann den Landtag, den Bundestag. Außerdem nimmt man an verschiedenen Kreissitzungen teil, es wird  alles von  grundauf erklärt, was einem auch im Politikunterricht durchaus weiterhilft, kann ich nur empfehlen, besser als jede Nachhilfe weil es eben viel lebendiger ist. Und da habe ich eben gemerkt, dass die Jugendlichen sehr gut angenommen werden, zum Beispiel hat sich, als wir in den Bundestag gefahren sind, Frank Walter Steinmeier extra für uns Zeit genommen und hat sich mit uns unterhalten. Mit so was wird dann eben wirklich gezeigt, dass die Jugend wichtig ist. Und dann bin ich eben bei den „JuSos“ in Lüneburg eingetreten und wurde auch gleich gefragt, ob ich irgendwann kandidieren möchte. Daraufhin habe ich mir das erstmal zwei ein halb Jahre angeguckt und jetzt bin ich ja 18 und habe mich auch gleich auf die Liste schreiben lassen zum kandidieren.

Was genau sind denn die „JuSos“?
Das sind „Junge Soziale“, das ist quasi die Jugendgruppe der SPD, die allerdings von der Partei abgekoppelt ist, also man kann auch bei den JuSos sein, ohne in der SPD zu sein und das ist auch eine politische Gruppe, die es in der ganzen Welt gibt. Wir sind zum Beispiel auch mit JuSos in Frankreich oder Norwegen vernetzt. Und die setzen sich eben für die sozialen Rechte der Menschen ein und auch für die Belange der Jugend.

Planst du denn weiterhin politisch aktiv zu sein, auch über dem kommunalen Bereich? Auch nach dem Abi noch?
Also ich werde versuchen meinen Erstwohnsitz in Salzhausen zu halten, sofern ich nicht fürs Studium ganz weit weg ziehe und die Ratsarbeit weiterzumachen, immerhin habe ich mich für fünf Jahre wählen lassen, also werde ich auch versuchen fünf Jahre mein Amt auszufüllen.
Ich würde schon gerne bei der nächsten Wahl in den Samtgemeinderat kommen, aber genau weiß ich das noch nicht, das kommt eben darauf an, wo ich dann wohne, wie sehr mich meine Ausbildung in Anspruch nimmt, was ich dann beruflich mache.

Also möchtest du nicht die nächste Bundeskanzlerin werden?
*lacht* Erstmal nicht. Muss man mal sehen wie sich das so entwickelt.

Alles klar. Wie waren denn so die Reaktionen, auch von Familie und Freunden?
Also meine Eltern waren natürlich super stolz. Ich selber habe es ja erstmal gar nicht fassen können, dass ich 135 Stimmen bekommen habe, mich also 4,1 % der Wähler gewählt haben. Die Reaktionen waren eigentlich sonst durchweg positiv. Manchmal kam so was wie „ ich würde dich ja gerne wählen, aber du bist ja leider nicht bei den Grünen!“, aber ansonsten durchweg positiv und ich war sehr glücklich. Meine Fraktion hat sich auch wirklich für mich gefreut und das fand ich sehr gut.

Also seid ihr untereinander sogar befreundet?
Ja, wir verstehen uns alle sehr gut und ich finde das auch wichtig. Natürlich, wenn wir diskutierten hat jeder seine  eigene Meinung und darf die auch äußern, da kommt es manchmal schon zu Konflikten, aber die sind ja auf sachlicher, politischer Ebene und nicht persönlich.

Und was möchtest du persönlich verändern, was sind deine persönlichen Ziele?
Also ich, bzw. Wir möchten gerne, dass die Schulwege sicherer werden. Wir haben noch kein genaues Konzept, weil wir da auch die Schulkinder mit einbeziehen möchten, damit sie uns sagen können, wo sie lang fahren. Außerdem wollen wir dass es mehr günstigen Wohnraum gibt, damit sich auch mehr sozial schwache Familien hier ansiedeln können. Auf jeden Fall sind wir gegen eine A21, das ist eine Autobahn, die Salzhausen direkt kreuzen würde. Auch sind wir für mehr Bürgerbeteiligung, mehr Umfragen, damit die Bürger sich mehr beteiligen. Deshalb haben wir auch Visitenkarten drucken lassen, auf denen unsere persönliche Telefonnummer steht, dass man uns direkt  erreichen können. Dafür haben wir auch eine eigene Internetseite.(www.SPD-hohegeest.de) Auch wollen wir die Bürger mehr in die Fraktionssitzungen einbeziehen, um ihre Meinung besser wiederzuspiegeln.

Gut dann die Frage zum Schluss; würdest du das weiterempfehlen? Also zu den JuSos zu gehen und sich zu engagieren?
Auf jeden fall. Also es bringt erstmal Vorteile im Unterricht, weil man einfach einen viel bessern Einblick hat. Man bekommt ein kritischeres Denken. Außerdem glaube ich, dass Interesse für so etwas immer angerechnet wird, zum Beispiel weiß ich dass man in der Uni in Lüneburg man für jedes politische Amt 0,3 vom Schnitt abgezogen bekommt, deshalb denke ich schon, dass sich so etwas immer lohnt. Und die Aufnahme in die Gemeinde ist wirklich sehr gut, man lernt viele neue Menschen kennen, und man hat so viele Möglichkeiten und Vorteile wenn man in eine Partei eintritt. Man kann Seminare Besuchen, die einem auch außerhalb der Politik etwas nutzen, zum Beispiel Rhethorik Seminare oder Computerseminare. Auch bei Bewerbungen kommt das natürlich gut und im Leben hilft es einfach mal ein kritisches Denken mitbekommen hat. Denn ich denke, nur wer wählen geht, darf meckern und wer sich engagiert, darf sogar mitbestimmen!

Hanna N. - Salzreporter

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