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Sonntag, 1. Mai 2011

Off Road Kids

Straßenkinder; ein Leben im Dreck und Kriminalität, in Feuchtigkeit und Kälte, oft ohne Essen und mit noch weniger Hoffnung. Hört sich nicht besonders nach Deutschland an, oder? Schließlich nennen wir uns stolz Sozialstaat. Und doch ist eben das bittere Realität.

Genau festzulegen ist die Zahl der Straßenkinder in Deutschland zwar nicht, doch die Behörden gehen von ungefähr 10.000 in ganz Deutschland aus. Eine erschreckende Anzahl, bedenkt man, dass es eigentlich gar keine Straßenkinder geben sollte. Doch allein in Berlin gibt es über 3.000, schwankend je nach Jahreszeit.

Ausreißer und Hoffnungslose
"Tiggy (: herzchen." / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by)
Allerdings muss man zwischen den Kindern, die ihr Leben auf der Straße verbringen unterscheiden. Jährlich gibt es nämlich um 2500 Ausreißer, also Kinder, die ihr zu Hause verlassen um auf der Straße zu leben, dennoch aber eigentlich einen festen Wohnsitz haben. Durchschnittlich werden 300 von ihnen zu wirklichen „Off Road Kids“, ohne Wohnsitz und jegliche Versorgung, der Rest kehrt meist nach Hause zurück oder wendet sich an soziale Einrichtungen, die ihnen helfen, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

Besorgniserregend ist allerdings das immer weiter sinkende Alter der „Ausreißer“. Waren die Jüngsten vor wenigen Jahren noch 14 und 15, so trifft man heute nicht wenige 12- und 13-jährige an. Doch was soll der Grund sein, die Familie zu verlassen und jede Sicherheit aufzugeben, wo es doch bei uns nicht an der Armut liegen kann, schon als Kind obdachlos zu sein? Schließlich gibt es ein reichhaltiges Angebot an Hilfsmitteln vom Staat.

Nun, offensichtliche und leider auch mit die häufigsten Gründe sind Misshandlung und Missbrauch in der Familie, vor dem die Kinder und Jugendlichen davon laufen, häufig aus wirtschaftlich schwächeren Schichten. Doch Straßenkinder sind durchaus nicht nur „Hartz-Vier-Problem“. Ein Großteil von ihnen kommt auch aus der so genannten „gutbürgerlichen Mittelschicht“. Viele von ihnen leiden nicht unter direkter körperlicher oder psychischer Gewalt, sondern viel mehr unter mangelnder Aufmerksamkeit der Eltern und der darauf folgenden emotionalen Verarmung. Sie hoffen, auf der Straße Gleichgesinnte zu finden, Jugendliche, die ihre Familie ersetzen können. Oft treibt sie die Vorstellung von nie gekanntem Zusammenhalt unter den Jugendlichen auf die Straße.

"Tobias Mittmann" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)
„Bahnhofskinder“
Die meisten Kinder und Jugendlichen, die sich entscheiden, zu gehen, werden von der Anonymität der Großstädte angezogen, nicht umsonst gibt es in Berlin die höchste Anzahl an Straßenkindern. Meist halten sich diese in Bahnhöfen - was ihnen den obigen Spitznamen eingebracht hat - Einkaufspassagen und Fußgängerzonen auf. Dort, wo es möglichst warm und geschützt ist und sie die Chance darauf haben, etwas zu Essen zu ergattern.

Und eben das ist eines der größten Probleme; wie kommt man an Geld um zu überleben?
Die meisten versuchen es erst einmal mit Betteln. Doch damit kommt man meist nicht weit. Deshalb gehen sie oft zu Kleindiebstählen, Dealern und, im schlimmsten Fall, Prostitution über.
Doch nicht nur die Versorgung ist ein Problem. Auch Krankheiten bedrohen das Überleben der Kinder und Jugendlichen, verursacht durch Kälte und Mangelernährung, oder auch HIV und andere Geschlechtskrankheiten. Weiterhin kommt es bei vielen Straßenkindern zu schlimmen Psychischen Problemen und Abhängigkeit von Alkohol und Drogen. Natürlich sind sie auch vor kriminellen und gewalttätigen Übergriffen viel zu schlecht geschützt, wird die Polizei doch noch dazu nicht als Helfer, sondern eher als Bedrohung empfunden.

Kurz gesagt:
Kommen die „Off Road Kids“ nicht von der Straße, ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sie ihren Dreißigsten Geburtstag erleben.

„Off-Road-Kids-Organisation“

Doch das Problem wird, vor allem in den betroffenen Städten, zunehmend ernst genommen. Organisationen wie die „Kinderhilfe“ und „Terre des Hommes“ nehmen sich auch der deutschen Straßenkinder an. Besonders zu erwähnen ist die Organisation „Off Road Kids“, die 1994 gegründet wurde und als eine der wenigen auch überregional arbeitet. Ihre oberste Priorität ist es, „Ausreißer“ gar nicht erst zu Straßenkindern werden zu lassen, sie also so schnell wie möglich von der Straße zu holen, da Straßenkinder die sich schon länger alleine durchschlagen oft keine Hilfe mehr annehmen wollen.

Diese Organisationen helfen allerdings nicht nur den Kindern und Jugendlichen, sondern sie helfen auch, die Straßenkinder zurück in das Bewusstsein der Gesellschaft zu bringen. Denn „Off Road Kids“ sind keine besonders jungen Penner, an denen man ohne schlechtes Gewissen vorbei gehen kann, und auch keine Asozialen oder freiwillige Aussteiger aus der Gesellschaft, sondern Kinder die dringend Hilfe und, vor allem, eine zweite Chance brauchen, direkt vor unserer Nase.

Wer sich weiter über das Thema informieren möchte, dem ist das Buch Straßenkinder in Deutschland: Schicksale die es nicht geben dürfte von Markus H Seidel von Ullstein zu empfehlen.

Hanna - Salzreporter

1 Kommentar:

  1. wahnsinn was sich da alles abspielt ohne, dass ich jemals davon wusste!!! ich werde sofort mich erkundigen wie ich genau persönlich da weiterhelfen kann.

    MfG Zep

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